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Geschichten aus dem Krieg von Tobias Heintz

Geschichte 1 - Geschichte 2 - Geschichte 3 - Geschichte 4

 

Geschichte 1

Langsam floss der kleine Rinnsal grüner Flüssigkeit über den ausgetrockneten Boden unweit eines steinigen Gebirges. Es war eine unwirtliche Welt, auf der die kleine Fluchtkapsel gelandet war. Weit über dem pflanzenlosen, toten Boden kämpften Raumschiffe zweier vereinter Flotten bereits seit Stunden um dieses Planetensystem, dessen zweiter Planet jetzt zum erste Mal seit seiner Entstehung aus Tausenden Gesteinsbrocken vor über drei Milliarden Jahren Leben trug. Aber nicht mehr lange.

Die schwarze Uniformjacke mit dem grauen Schulterteil und der gelbe Uniformpulli darunter waren zerrissen; das grüne Blut glitzerte an den Rändern. Einzig eine Atemmaske, die den Mund und die Nase bedeckte und dem Verletzten den rettenden Sauerstoff in die Lungenflügel presste, hielten das Leben auf diesem Ödland.

Schließlich flog ein agiles Gefährt durch die dünne Luft. Schutzschilde bewahrten es vor der trotzdem nicht ungefährlichen Reibungshitze bei dem schnellen Eintritt in die dünne Atmosphäre. Sanft landete der Pilot das blassgrüne Shuttle in der Nähe des Verletzten und ein Schott öffnete sich. Ein agiler Humanoider verließ das Boot und rannte zu dem am Boden liegenden Verwundeten.

Der Neuankömmling trug eine hellgraue Uniform mit einer breiten Schärpe über der Schulter. Für einen außenstehenden, fremden Beobachter ähnelten die Beiden wie sich zwei Wesen der gleichen Rasse nur ähneln konnten, aber die Wirklichkeit sah bei weitem anders aus. Diese beiden Wesen waren sich unterschieden sich, wie so viele andere Wesen auch in diesem Universum: Der eine war immer logisch, mit tief im Inneren vergrabenen Emotionen, der andere ließ sich im Gegensatz dazu von Gefühlen leiten und war hinterlistig im Wesen.

Doch zusammen verließen sie die Wüste aus scharfkantigen Schutt und groben Geröll, einen kleinen Planeten in einem Planetensystem, der eine kleine blaue Sonne umkreiste, die nur einen weiteren, hellen Punkt in einer kriegerischen Galaxie bildete und wie so viele im gesamten Universum zum stillschweigenden Zeugen eines sinnlosen Kampfes geworden war.

Das Shuttle hob ab und näherte sich schnell einem der großen Schiffe im Orbit des kleinen Planeten. In dem schlanken Bug des einem Raubvogel nachempfundenen Kriegsschiffes öffnete sich ein breites Tor und empfing das winzige Boot, bevor es sich wieder dem Kampf widmete.

Halle an der Saale, 20. Mai 2001

 

Geschichte 2

Ruhig und gemächlich flog ein einziger Vogel über die jetzt kahle Landschaft. Hinter einem künstlich aufgeschütteten Wall aus Steinen und Duraniumplatten lag Lieutenant Hor im Staub und beobachtete durch ein künstlich geschaffenes Loch in dem Wall den einsamen Flug dieses majestätischen Tieres. Der Zoologe in ihm erkannte den curianischen Schweifadler und der Dichter in ihm die grazilen Bewegungen.

Vor dem Offizier jedoch lag das in schlichtem, kalten Grau gehaltene Typ-3c-Phasergewehr, voll geladen und bereit, dem nächsten Jem’Hadar-Krieger oder Cardassianer, der sich ihm nähern sollte einen orangeroten Blitz gebündelter Energie gegen die Brust zu schleudern. Neben der Waffe war noch eine weitere Sarium-Krellid-Batterie; für den Fall, dass die eine im Gewehr nicht ausreichen sollte.

Der Adler verschwand mit zwei weiteren Schlägen seiner mächtigen Schwingen aus seinem Blickfeld. Etwas später hörte er noch einen schrillen, weit echoenden Schrei des Vogels über die Ebene hallen.

Früher, bevor die Föderation hier auf diesem Planeten eine Abhöreinrichtung installiert hatte und bevor diese Anlage vor dem Dominion verteidigt werden musste, erhob sich hier ganz in der Nähe ein dichter Nadelwald und die Ebene, auf die er jetzt blickte, war ein schier endlos anmutendes Meer gewesen, auf dem sich im Frühjahr Tausende und Abertausende blaue, rote, gelbe, weiße und violette Blüten in den verschiedensten Formen und Größen sich im Wind wiegten und über die ab und an ein sanfter Regenschauer strich.

Aber dann brach der Krieg aus. Schiffsgeschütze sandten Phaserstrahen über die Wiesen und Wälder, weil die Admiralität der Sternenflotte meinte, es wäre besser zum Schutz der Anlage, wenn im Umkreis von fünf Kilometern dem Feind keine Möglichkeit gegeben werden sollte, weder Schutz noch Deckung zu finden.

Er dachte an die Zeit zurück, als er als Exobiologe auf der U.S.S. California zum ersten Mal einen Fuß auf diesen Planeten gesetzt hatte und von diesem Paradies, das er damals nur schweren Herzens wieder verlassen konnte, beeindruckt wurde. Er hatte sich geschworen, eines Tages wieder hierher zurück zu kommen.

Jetzt war er wieder hier. Als Soldat. So wie ihm ist es vielen ergangen: Technikern und Ingenieuren, Chemikern, Biologen und Physikern, Ärzten, Pflegern und Counselors, Philosophen sowie Künstler, alle waren sie jetzt Soldaten in dieser dunklen, dreckigen, verschwitzten Uniform.

Bewaffnet.

Plötzlich vernahm er das Summen, mit dem der einige Dutzend Schritte hinter ihm liegende Schutzschildgenerator ansprang und sirrend ein starkes Kraftfeld etablierte.

"Lieutenant Hor, erhöhte Aufmerksamkeit!" wurde er aus seinen Gedanken gerissen. "Soeben ist eine cardassianische Kampfgruppe unter Warp gegangen und mit direktem Kurs hierher unterwegs."

Aus einem Reflex heraus tippte er auf seinen Insignienkommunikator. "Aye, Sir."

Er widerstrebte ihm, doch langsam bewegten sich seine Hände zu dem vor ihm liegenden Gewehr und er legte es an. Er musste es tun.

Seine Augen begannen mit dem Absuchen der Ebene.

Ein greller, orangefarbener Strahl jagte von der Emitterphalanx aus in den azurblauen Himmel.

Ein Blitz zuckte, dann eine kleine Explosion, kurz darauf ein leises Grollen, wie ein ferner Donner. Das Leben von zwanzig cardassianischen Soldaten wurde mit diesem Blitz und diesem Donner beendet.

Wieder schnellte ein Phaserstrahl in den Himmel und wieder folgte ihm der Tod.

Eine Landefähre zerbarst nach der anderen, bevor vom Himmel ein gelblicher Strahl tödlicher Energie herabfuhr – und am Schild zerstob.

Er sah zwei Kampfshuttles am Horizont ankommen und feuern. Das Schutzschild hielt auch diesem Angriff stand.

Soldaten wurden auf das offene Feld gebeamt.

Am Abzug krümmte sich sein Finger.

Halle an der Saale, 30. Mai 2001

 

Geschichte 3

Lieutenant Commander Isoto M’tega haßte die Nachtschicht. Im Grunde haßte sie jede Schicht an Bord dieses Schiffes. Diese Woche war es die Nachtschicht, die nächste die Spätschicht und darauf haßte sie die Frühschicht, eh es wieder von vorn losging. Sie war eine von fünf der Besatzung auf diesem ehemaligen Schweren Wissenschaftskreuzer der Nebula-Klasse, der für 400 Offiziere und Crewmitglieder ausgelegt war.

Auf dem großen Bildschirm im Zentrum der vorderen Wand sah sie eine kleine Kampfgruppe bestehend aus einer Excelsior und vier sie flankierenden Mirandas schnell in einer engen Kreuzformation vorbei fliegen. Die sah auf das kleine Display zu ihrer linken und erkannte, dass es sich um die siebzehnte Kampfgruppe handelte. Alle Teile der dritten Flotte hatten ihre festen Bahnen um den Blauen Planeten, nur dieses eine Schiff, dessen Nachtwache sie jetzt hielt, hatte eine geostationäre Position über Paris, Frankreich.

"‚Starfleet One‘, halten Sie sich bereit, den aktuellen Statusbericht zu senden."

Mitternacht. Jede Nacht um die gleiche Zeit hörte sie diese Stimme.

"Aye, Sir", antwortete sie und drückte die entsprechende Taste auf dem Display. Sie hatte die Liste gleich zu Beginn ihrer Schicht angefertigt, so wie sie es immer tat. Sollte sich etwas ändern, würde sie es immer noch ergänzen können, aber meistens brauchte sie dem Standardbericht nichts hinzufügen. Das gedämpfte Licht ließ sie langsam müde werden.

Bis vor wenigen Monaten noch war sie der zweite Offizier auf einem prachtvollen Schiff der Galaxy-Klasse, das damals das Rufzeichen ‚Starfleet One‘ trug, aber seit Kriegsbeginn hatte sie das Kommando über das Schiff des Präsidenten der Vereinten Föderation der Planeten, denn die Galaxy wurde woanders gebraucht. Eiligst wurde die U.S.S. Wright, wie das Schiff eigentlich hieß, mit stärkeren Antriebsaggregaten und zusätzlichen Panzerplatten an den wichtigsten Systemen ausgestattet, während alle anderen Schiffe für einen langen Kampf bereit waren. Dieses Schiff, das im Ernstfall den Präsidenten der Föderation, Jaresh-Inyo, und alle Mitglieder des Föderationsrates, die sich zur Zeit auf der Erde aufhielten, an Bord beamen würde, war für die Flucht gerüstet, während die dritte Flotte sie schützen würde.

Mit einem Male begann ein Warnton von der OPS zu piepsen. Commander M’tega konfigurierte die Konsole, von der aus sie eben den Bericht zum Hauptquartier der Sternenflotte geschickt hatte, so dass sie die eben eingetroffenen Daten von der OPS auswerten konnte. Es war eigenartig: Nur die optischen Sensoren haben Alarm geschlagen.

Auf dem Hauptbildschirm sah sie jetzt, wie die Schiffe ihre ihnen zugeteilten Circumplanaren Bahnen verließen und eine lockere Abwehrformation einnahmen. Jetzt schaltete sie den Funk ein und warf einen Blick auf die Auswertung der optischen Daten.

"Achtundzwanzigstes Geschwader, nehmen Sie Position drei neun null ein."

Sie sah Bewegungen vor den Sternen, konnte aber nichts konkretes erfassen, und so vergrößerte sie das Bild zu Ungunsten der Auflösung, doch das machte nichts; sie erkannte die asymmetrischen, kleinen Schiffe: Fregatten der Breen.

"Kilroy, Sie sind zu dicht an der James Randolph. Korrigieren Sie Ihre Position."

Es war schwierig zu schätzen, aber es waren mehrere Hundert.

"Alarmstufe Rot", rief sie in die leere Kommandozentrale, die daraufhin vom Roten Pulsieren der Warnleuchten erhellt wurde. Sie stand auf und ging zur CONN im vorderen Bereich der Brücke und konfigurierte im Stehen mit einigen wenigen Handbewegungen die Konsole zu einer multiplen Anzeigetafel, die ihr die Kontrolle von OPS über die Maschinen bis zur Taktik auf einen Blick bot.

"Was ist los, Commander?" fragte ihr erster Offizier, Lieutenant Thol, über einen schiffsinternen Kommunikationskanal.

"Eine Flotte von Breen-Schiffen nähert sich der Erde", antwortete sie ihm in dem Moment, als er die Brücke betrat und sofort zur OPS ging.

"Der Föderationsrat und der Präsident sind in wenigen Minuten zum Transport bereit", sagte er kurz darauf.

Sie sah auf ihr eigenes kleines Fenster, das ihr einen knappen Statusbericht von der OPS wiedergab und schloss dann das Fenster. Aus offensichtlichen Gründen, nämlich das dieses Schiff selbst in ihrer jetzigen Konfiguration maximal nur 48 Personen gleichzeitig beamen konnte, wurde der Großteil der zu Evakuierenden von Transporterplattformen von der Erde auf das Schiff gebeamt.

Jetzt betraten auch die Lieutenants Junior Grade Hobbson und Igoda die Brücke und M’tega rekonfigurierte die CONN-Station in ihren regulären Betriebsmodus, bevor Hobbson ihre Station erreicht hatte. Igoda übernahm die Taktik und Lieutenant Fisher, der Fünfte der regulären Crew hatte bereits im Maschinenraum alle Hände voll zu tun, als Verstärkung direkt dort rematerialisierte.

"Wir haben jetzt alle an Bord, weitere Crewmitglieder sind eingetroffen."

Draußen im Erdorbit begann der Kampf.

"Schilde hoch. Wie ist der Status der Waffen?"

"Phaserbänke haben hundertzwölf Prozent, Torpedo-Katapulte eins bis vier sind geladen und bereit."

"Gut. Lieutenant Igoda, halten Sie uns den Rücken frei. Hobbson, Kurs für Evakuierungsroute neunundzwanzig eingeben, voller Impuls."

"Sir..?"

"Sie wissen, dass dies kein Schiff für eine Schlacht ist, Lieutenant. Ich würde jetzt auch viel lieber hier bleiben, aber wie müssen Jaresh-Inyo nach Vulkan bringen."

Der Schwere Kreuzer setzte sich in Bewegung, während die Dritte Flotte sich mit dem Feind einen Kampf ums Überleben bot. Die Breen hatten eine beeindruckende Flotte auf die Beine gestellt. Auf den ersten Blick waren sie der Föderationsflotte drei zu eins überlegen. Aber die Breen hatten nur Schwere Fregatten, denen die Kreuzer, Zerstörer und Schlachtschiffe der Sternenflotte gegenüberstanden. Von Schiffen der Akira-Klasse wurden jetzt zusätzlich noch kleine Angriffsschiffe gestartet, die das Überraschungsmoment noch auf ihrer Seite hatten.

"Ma’am", rief die Frau an der Taktik, "ein Geschwader der Breen nähern sich uns auf einem Abfangkurs."

"Ruhig bleiben, Igoda. Sie schaffen das schon. Verkrampfen Sie nur nicht. Versuchen Sie, das Führungsschiff mit den Torpedos zu treffen, während Sie die anderen mit den Phasern unter Beschuss nehmen. Hobbson, gehen Sie auf Angriffsposition und reduzieren Sie die Geschwindigkeit auf ein Halb."

Die acht Breen-Fregatten näherten sich von vorn und schossen aus allen Rohren, während die ‚Starfleet One‘ zurück feuerte. Beide Torpedos trafen ihr Ziel und das Breenschiff begann zu taumeln. Die Schilde aller Schiffe glühten auf, hielten aber. Als die Führungsfregatte den Kreuzer längsseits passierte, zerstörte Igoda es mit einem Schuss aus dem Phaserstreifen des Backbord-Gondelpylons. Die übrigen sieben formierten sich neu, während die ‚Starfleet One‘ die hinteren Katapulte abfeuerte und wieder auf vollen Impuls beschleunigte.

"Hobbson, fliegen Sie Ausweichmanöver. Igoda, Sie machen das gut so."

Die Breen blieben hinter der Nebula und versuchten, sich außerhalb der Waffen zu halten und trotzdem größtmöglichen Schaden zu verursachen. Hobbson gab ihnen jedoch nicht die Chance dazu, indem er den Flugvektor willkürlich änderte und Igoda tat ihr übriges dazu, den Schiffen den Garaus zu machen.

Aber die Breen lernten dazu. Die letzten vier Schiffe stellten sich als ernst zu nehmende Gegner heraus und es würde nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sie die Nebula zerstört haben würden.

Die Brücke erzitterte wie der Rest des Schiffes unter den Einschlägen der feindlichen Energiewaffen.

"Schilde jetzt bei neunzehn Prozent, Sir"

"Hobbson, wann können wir auf Warp gehen?" fragte Thol.

"In etwa sieben Minuten sind wir aus dem Gravitationsfeld des Sonnensystems", antwortete er. Murmelnd fügte er hinzu: "Ich hoffe nur, das Schiff macht das so lange mit."

"Ma’am, wir bekommen Verstärkung. Ein Kampfverband vom Vulkan ist in wenigen Sekunden hier", rief Thol von der OPS.

Auf dem Hauptschirm wechselte die Sicht und sie sahen, wie ein elf Schiffe aus dem Warp in den Normalraum verlangsamten. Zwei Schiffe der Steamrunner-Klasse halfen der ‚Starfleet One‘, während die übrigen sich bereits auf den Weg zur Erde machten. Gemeinsam schafften sie es, die Breen zu besiegen und das Schiff des Präsidenten konnte seinen Weg fortsetzen. Die beiden Steamrunner folgten den anderen zur Erde.

Wenig später erreichte die ‚Starfleet One‘ das nahe Planetensystem. Erleichtert beobachtete die Crew auf der Brücke das Schiff der Galaxy-Klasse, das sich ihnen näherte, um sie zum Heimatplaneten der Vulkanier zu geleiten.

"Präsident Inyo, wir erreichen in vier Minuten Vulkan."

"Danke, Commander", war die knappe Antwort auf der Brücke zu hören.

"Der hat jetzt andere Probleme", meinte Thol.

"Ja. Wieso greifen die Breen die Föderation an."

Im Orbit wurde die ovale Yacht des Captains von der Unterseite des Diskusses der Nebula abgekoppelt und in Richtung der Oberfläche des kargen Planeten gelenkt. Jaresh-Inyo hat es sich nicht nehmen lassen, den Planeten mit Stil zu betreten. Nur ein Summen von sich gebend überflog die Yacht mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit das Voroth-Meer, während der Föderationsrat in diesem Moment in die Hauptstadt Vulcana Regar gebeamt wurde.

Die Nachtschicht an Bord war zu Ende und Lieutenant Commander Isoto M’tega übergab das Kommando an Lieutenant Thol. Die Türhälften des Turbolifts öffneten sich und als sie gerade die Kapsel betreten wollte, rief Thol sie zurück.

"Ma’am, wir haben soeben ein Kommuniqué von der Sternenflotte erhalten. Die Breen haben sich offiziell dem Dominion angeschlossen."

Sie wand sich wieder der Liftkapsel zu, dann sprach sie in den fast leeren Raum: "Das sind schlechte Neuigkeiten, Lieutenant. Aber nur für unsere Freunde. Wir sind bloß die Chauffeure des Präsidenten. Gute Nacht."

Halle an der Saale, 16. Juli 2001

 

Geschichte 4

Die tiefstehende Spätsommersonne färbte die verregnete Wiese mit ihrem goldigen Licht. Bis vor etwas mehr als einer Stunde hatte es noch geregnet, aber die dunklen Wolken waren weiter nach Osten gezogen und drohten nun nicht mehr, diese Tiefebene zu überschwemmen. Ich ging langsam durch das kniehohe Gras der Sonne entgegen, die schwarzen Stiefel versanken ein wenig in der nassen Erde und die die nassen Grashalme durchnässten langsam meine Uniformhose. Noch weitere, schier endlose Stunden könnte ich über diese Ebene wandern, doch mein Verstand sagte mir, dass diese eine schon beinahe zuviel war.

Es war so ruhig hier. So friedlich. Die wärmenden Strahlen schienen meinen Körper zu durchfluten und die frische Luft ließ mich an schöne Tage auf den Wiesen meiner Heimat zurückdenken.

Ich blieb stehen, schloss die Augen, drehte mein Gesicht genau in die Sonne und genoss das warme, einen alles andere um einen herum vergessen lassende Gefühl. Schließlich machte ich kehrt. Mein Blick fiel auf das kleine Schiff der Nova-Klasse, von der ich mich bis eben noch entfernt hatte. Da ich sehr langsam gelaufen bin, war ich noch nicht einmal fünf Kilometer weit gekommen, aber trotzdem wirkte alles so weit entfernt. Nicht nur das Schiff oder meine Mannschaft, alles. Die Distanz beruhigte mich.

Mit der dunklen Wolkendecke hinter sich und der goldenen Sonne hinter mir strahlte das hellgraue Duranium der Schiffshülle regelrecht. Es war ein schönes Bild, doch trotzdem wirkte das Schiff so überaus deplaziert auf der grünen Wiese dieses fernen Planeten.

Ich sah Mitglieder meiner Crew unter dem Schiff die notwendigen Modifikationen für eine weitere getarnte Mission ausführen, ein weiteres Team optimerte das Schildgitter, wieder andere bauten, ‚verbotenerweise‘, also eigentlich ohne meine Kenntnisse, in das WaveRider-Shuttle eine weitere Tarnvorrichtung und ich wusste, dass mein Chefingenieur am Warpkern den Plasmafluss remodulierte.

Während ich mich zum Schiff zurück begab, musste ich unweigerlich an meine Heimat denken. Eigentlich versuchte ich, das gerade nicht zu tun, aber dort gab es ebenso eine Wiese, direkt vor dem Haus meiner Familie. Das Gras war ebenso grün und ebenso saftig; die Tiere liebten es. Als kleiner Junge bin ich auf der Wiese umhergetollt, habe mit Freunden dort fangen gespielt, habe dort das erste mal mit einer Freundin gezeltet und dort ist auch mein erstes Kind gezeugt worden.

Jetzt wagte ich gar nicht daran zu denken, dass das Dominion auf meiner Heimat eingefallen war. Jem’Hadar-Krieger und Cardassianer, die über die Wiesen von Betazed ziehen und alles verwüsten, ausbeuten, verschandeln. Es konnte nicht so weiter gehen, es durfte nicht.

Ich zwang mich den Gedanken an Rache zu verdrängen und an andere Dinge zu denken, ging die Missionsparameter wieder und wieder durch und überlegte, wie wir am geeignetsten die Dominion-Forschungseinrichtung auf Calla VII, einem toten Steinbrocken, kaum größer als der Mond um Betazed, am äußersten Rand des Planetensystems um den Roten Riesen Calla, vernichten konnten, ohne auch die Forschungsergebnisse zu verlieren.

Das trivialste wäre, ein Außenteam loszuschicken. Das würde ich vermutlich auch tun, doch aus Erfahrung weiß ich, dass Außenmissionen, die verdeckte Operationen beinhalten, selten glatt abliefen. Aus diesem Grund würden sie auch die Tarnvorrichtung auf dem WaveRider benötigen. Der genaue Plan stand noch nicht fest, da die Informationen über diese Einrichtung spärlich waren, doch ihnen würde schon was einfallen, wenn sie da waren. So lief es bis jetzt immer.

Mit einem Male piepste der kleine Kommunikator an meiner Uniform. Das hohe Geräusch hallte über die Ebene, zerriss die Stille.

Ich tippte auf das Gerät.

"Ja?"

"Captain, die Arbeiten werden in etwa zehn Minuten abgeschlossen sein", hörte er die Stimme seines Ersten Offiziers.

"Gut. Wenn Commander Tellices die Arbeiten im Maschinenraum abgeschlossen hat, beginnen sie mit der Vorstartsequenz."

"Aye, Sir."

Ich drehte mich noch einmal um und beobachtete die Wiese.

Betazeds vergangene Wiese.

Aber ich würde dazu beitragen, dass Betazeds zukünftige Wiesen ebenso saftig grün erstrahlen werden.

Halle an der Saale, 5. September 2001

 

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Last modified: 06 Feb 2017 
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